Video von Menschen auf der Kölner Domplatte, erzeugen mit ihren Spuren ein Kurzzeitgedächtnis von Raum (Köln/Mailand 1996)
Blick in des Ausstellungsram von “openSpace” Galerie in Mailand.
Das hier gezeigt Video war eine Echtzeitbewegungsfilterung von einer Aufnahme des Domplatzes in Köln. Die Ausstellung stellte einen Domplatz-Tausch dar, der Blick aus dem Fenster (oben rechts und links von der Leinwand) war fast identisch zu dem Bild im Video.
Die Installation trace pattern ist erste Station von inoutSite, das Raumgeometrie von Bewegung von Menschen auf öffentlichen Plätzen ableitet. Eine Kamera nimmt die Situation in einer offenen Fläche wahr, die Personen werden anhand dieser Bilder verfolgt (hier nur 2), ihre Bewegungsspur berechnet und miteinander verglichen. Ist der Ort, wo eine Person hingeht oder herkommt identisch mit dem Ort, wo eine andere Person sich hin orientiert/den sie verläßt, dann wird Abstand und Winkel zwischen den Bewegungsbahnen berechnet und überprüft, ob diese in eine Raumgeometrie passen, welche als eine Erweiterung der Proportionenlehre (basierend auf dem goldenen Schnitt) gesehen werden kann. Ist dies der Fall, werden an die Aufenthaltsorte der Personen geometrische Muster angelagert, die Parkettierung von regulären Polygonen sind. Die Muster bilden eine Art Netzwerk zwischen den beiden Personen. Bewegen sie sich fort, so wird das Muster nicht weiter gezeigt. Verweilen sie, bauen sich verschiedene Varianten der Polygonanlagerungen auf und ab. Gleichzeitig sind Akkorde hörbar, die aus den Seitenlängen der Polygone abgeleitet sind. Gibt es eine Entsprechung zwischen Klang und Muster?
Gleich der Funktionsweise eines Seiteninstruments wird die Geometrie (die Seitenlänge der Polygone) in Klänge umgesetzt.
Während diese Muster angezeigt werden, kann der Betrachter sich selbst (repräsentiert als eine Kugel) innerhalb des Musternetzes betrachten. Er kann überprüfen, ob diese Muster etwas mit seinem Raumempfinden zu tun haben oder nicht. Er kann spielerisch erproben, sich so zu verhalten, daß zwischen ihm und einem Nachbar Muster entstehen. und die Regeln des virtuellen auf den realen Raum übertragen.
Sowie hexagonale Muster in der Geographie zur Beschreibung der “Zentralität der Orte” (W. Christaller, Die zentralen Orte in Süddeutschland”, Jena 1933), also der wirtschaftlichen Vernetzung von Siedlungen untereinander, herangezogen wurden, möchte ich mit wesentlich komplexeren Netzen Möglichkeiten anbieten, Raumelemente ebenfalls vernetz- und planbar, aber auch adaptionsfähiger zu machen. Die interaktive Installation ermöglicht, Nähe und Distanzwunsch zu Personen überprüfbar zu machen. Im weiteren Verlauf wird die Perspektive umkippen aus der Beobachtersituation “Froschperspektive” in die Position des Betrachteten, der mit seinen Bewegungen (virtuellen) Raum generiert.
“… Der größte Teil dessen, woraus unsere Körper und Gehirne bestehen, wird schließlich fortwährend ersetzt, und nur die Strukturen oder Muster bleiben erhalten. Außerdem scheint die Materie selbst lediglich vorübergehend zu exisiteren, weil sie von einer Form in eine andere umgewandelt werden kann. … Die Materie selbst ist also nebulös und flüchtig, und es ist gar nicht unvernünftig anzunehmen, daß die Beständigkeit des “Selbst” mehr mit der Erhaltung von Strukturen zu tun haben könnte als mit der Erhaltung von vorhandenen materiellen Teilchen.”
Roger Penrose: “Schatten des Geistes”, Heidelberg 1995
Im Vorraum ist eine Kamera installiert, welche Besucher aufnimmt. Sie können sich auf einer Videowand sehen, Töne erzeugen und mit den Geometrien spielen, die ihre Bewegungen interpretieren. Pfeile geben die Gehrichtung an, der Durchmesser der Kreise wächst mit der Gehgeschwindigkeit, das hellgrüne Polygon umfaßt Personengruppen, das türkisfarbene Polygon beschreibt den Zwischenraum zwischen zwei Personen, die “Bleistiftlinien” zeichnen die Wege der letzten Minuten.
Blick ins Congresszentrum des Multimediaforums in der Messe Köln:
Bei den Instllationen des “inoutsite”-Projektes wird die Häufigkeit der Passagen von Personen auf öffentlichen Plätzen untersucht und in virtuelle Bilder und Klänge umgesetzt.
Das sich ergebende Bild kann gesehen werden als erste Annäherung an eine virtuelle Architektur. Inoutsite I und II zeigen die Statistik des Raumes: Pfeile (grün) indizieren die Gehrichtung, Linien (hier Röhren) sind die Spuren der einzelnen Personen. Die Höhe des Netzes, das wie eine 3D Chart und luftiges Dach über dem Platz schwebt, zeigt die Gesamtverteilung der Spuren auf dem Platz. Umso niedriger das Netz, umso seltener war dort eine Person.
Inoutsite I und II zeigen die Statistik der Raumnutzung.
screen print der installation im Kunstraum Düsseldorf
Die roten Pfeile zeigen in die Richtung des Gehens, die Linien sind die Spuren der Menschen im Raum. Die Höhe des Netzes, das wie ein virtuelles Dach über der Beobachtungsfläche schwebt, zeigt die Häufigkeit, mit welcher ein Ort begangen wird.Umso mehr Leute an einem Ort stehen, umso tiefer sinkt das Netz. Die Wolke in der Mitte zeigt dieselbe Information wie das Netz, differenziert nach Intensitätsgraden. Klänge fungieren als “Monitor” der Besucherbewegung: tiefe Töne stehen für Randpositionen, hohe Töne für die Mitte des Raumes.
1999 anlässlich der Vergabe des Förderpreises Bildende Kunst (links)
Installationsansicht im Kunstraum
Das Verfahren, zwei Bilder als Kreuz zu einer behelfsmäßigen Rekonstruktion einer 3-D Ansicht zusammenzufügen, wird hier Installationsvorgabe. Es soll ermöglichen, daß der Betrachter die Gehspuren wirklich als räumliches Event erlebt und nicht nur als eine distanzierte Abbildung auf einem Monitor. Damit wird auf das Fernziel des Projektes verwiesen, nämlich die Entwicklung von Architektur.
Entwurf für eine interaktive Installation auf einem öffentlichen Platz
Ein öffentlicher Platz soll Szenario eines Interaktionsraumes werden, z.B als ein Cafe oder Ausstellungsgelände, das aus modularen, beweglichen, sich selbst organisierenden Elementen besteht. Es soll als lernfähiges mobiles Mobiliar das Wesen von Orten im öffentlichen Raum und ihre Nutzung durch die Besucher deutlich machen. Die Organisation des Nutz- und Freiraumes, z.B. von Sitzgruppen, Raumteilern und Tischen soll sich an der aktuellen Raumnutzung orinetieren und durch die Inanspruchnahme der Benutzer lernen, sich entsprechend ihrer Vorlieben zu verhalten. Als sturkturelle Maßnahme werden Mediale Elementedes Raumes an den Grenzen von Ruhe- oder Durchgangsbereichen plaziert.
Sessel und Tische bilden Gruppierungen je nachdem wo und wieviel Besucher-Andrang vorhanden ist: zu Mehreren oder Einzeln, in Randbereichen oder im Zentrum. Medienmöbel bilden Kommunikationsumgebungen je nach Benutzung des Raumes. Dadurch bildet sich eine Architektur, die Abbild sozialer Prozesse ist.
Die Raumanordnung ergibt sich aus dem Bewegungsverhalten der Benutzer. Um den Besuchern eine bewußte Einflußnahme auf die Gestalt und die Entwicklung des Cafes zu ermöglichen, soll es online und onsite (Palmsized-Computer) möglich sein, das Geschehen vor Ort zu beeinflussen und sich über die aktuellen Möglichkeiten, welche von der Umgebung angeboten wird, zu informieren (Orientierung, Navigation).
Die Installation memory of space verbindet lokale und geographische Dimensionen miteinander.
Screen print der Installation über einem Video der Überwachungskamera der puerta del sol, Madrid, Cibervision ‘02
Ein Luftbild liegt unter der virtuellen Szene und ermöglicht, das virtuelle Bild in seinen Eigenschaften visuell auf mögliche Bezüge zu großräumigen Achsen zu überprüfen.
Ausstellungraum auf der Cybervision
Auf dem “Boden” des virtuellen Bildes liegt ein gitternetzartiges Koordinatensystem, welches über eine self organizing map (eine Kohonenkarte, also ein einfaches, neuronales Netz) entsprechend der Nutzung des Ortes verzerrt wird. Dabei werden Gehgeschwindigkeit und Gehrichtung auf die Koordinaten aufgetragen und schieben diese in ihre Richtung. Dem Koordinatensystem ist eine Videotextur mit dem Videobild des getrackten Platzes aufgemappt, es liefert für den Zuschauer Referenz zum wirklichen Ort.
Aus diesen Erhebungen wird der beobachtete Ort in “Territorien” aufgeteilt: In Bereiche des Verweilens und in Durchgangsschneisen. Diese Schneisen werden als Wegesystem (graue Linien) dem durch die Bewegungen verzerrten Abbild des Platzes eingeschrieben. In den ausgesparten Bereichen werden Orte, an welchen sich Personen verstärkt aufhalten (Gehgeschwindigkeit >=0) mit roten Flecken markiert (siehe unten).
Aufgrund eines anonymen, bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs wurde “Überflug” und eine Klanginstallation von Rolf Julius zur Realisierung auf dem Campus der Brandenburgischen Universität Cottbus vorgeschlagen.
Das Kunstwerk
Für die Fachbereichsgärten auf dem Campus, links der Hauptachse, sollen Taubenschläge installiert werden. In der Mitte dieser Taubenschläge soll ein virtueller Brunnen angelegt werden, in welchem statt Wasser ein Video zu sehen ist. Dieser Brunnen ist räumliches und gedankliches Zentrum der Arbeit. In ihm werden die Flugbahnen der Tauben über längere Zeitabstände erfasst und sichtbar gemacht. Die Struktur dieser Bewegungsbahnen soll ein modellhaftes Bild des Zusammenlebens der Tiere aufzeigen und bietet Gelegenheit, unser Verhalten mit ihnen zu vergleichen.
Der Schlag
In Absprache mit einem im Cottbus ansässigen Taubenzüchterverband entwarf ich einen zweistöckigen Turm, der zur Brieftaubenzucht geeignet ist. Die Anwesenheit der Taubenzüchter soll universitäres Leben und Forschen mit den Erfahrungen volksnaher Traditionen verbinden. Im Gegensatz zur Stadttaube sind Zuchttauben hoch zivilisiert. Das ganze Bestreben des Züchters gilt der Gesundheit und Fitness seiner Tauben, mit dem Ziel, gute Flugergebnisse zu erreichen. Um die Tauben zu einer schnellen Heimkehr anzuregen, werden sie – jungvermählt- voneinander getrennt (Witwerschlag). Der Antrieb, schnell zum Weibchen zurückzukehren, lässt Tauben nicht nur tausende von Kilometern zielsicher fliegen, sondern führt mitunter zu lebensbedrohenden Erschöpfungszuständen. Der Umgang der Taubenzüchter mit diesen Eigenschaften spricht von langen Erfahrungen und kontrastiert das abstrakte Denken der Naturwissenschaften.Um Einblick in die Dynamik des Taubenschlags zu geben, sind diese zweiseitig verglast. Darüber hinaus sollen die Zucht- und Flugergebnisse der Tauben bei Wettflügen an einem schwarzen Brett öffentlich gemacht werden. Auf einer Landkarte seien die Flugbahnen der Wettflüge dargestellt.
Erster Entwurf für den Taubenschlag:
Inneneinrichtung des Schlags:
Der Brunnen
Der Brunnen besteht in einem recheckigen, aus Ziegelsteinen gemauerten Schacht, der ungefähr 4m tief im Erdreich versenkt ist. Dadurch ergibt sich die für eine Video- projektion notwendige Dunkelheit. Das Video zeigt den Himmel über den Taubenschlägen, wie er von einer vor Ort installierten, in den Himmel zeigenden Kamera aufgezeichnet wird. Es ist ein virtueller Wasserspiegel, also scheinbare Spiegelung des Himmels auf einer Wasseroberfläche.
Eine spezielle Computer-Software (bereits vorhanden) rechnet aus dem Bild die Positionen der Tauben und schreibt ihre Bahnen in Echtzeit ins Videobild ein. Über den Tag entsteht aus den Spuren der Tauben eine Linienzeichnung, die mit ihrer (chaotischen) Struktur die umgebende Architektur nach ihrer Ordnung (rechtwinklig) auf ihre Verträglichkeit mit der Geometrie der natürlichen Bewegung der Vögel hinterfragt. Die Vögel, die nicht durch Wege, Bänke oder Gebäude in Ihren Bewegungsrichtungen festgelegt werden, verweisen hier auf eine Freiheit jenseits der auf dem Gelände vorgegebenen Strukturen. Die Arbeit soll gleichzeitig uns anregen, unsere Planungen und Ordnungssysteme zu hinterfragen und – je nach Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Hochschule – ein Modell für Raumordnung aus durch die Beobachtung gewonnenen Daten vorschlagen. Was sich über den Taubenschlägen abspielt, berichtet nicht nur von zufälligen Flugbahnen, sondern auch von Schwarmverhalten und der Gruppendynamik der Taubenschläge. Bemerkenswert sei hier der Vergleich zwischen der fast mysteriösen Ordnung von Vogelschwärmen und den häufigen Kollisionen von Menschen in massenhaften Ansammlungen. Letztlich greift die Arbeit mit der Taube ein Symbol auf (Friedenstaube), das in zahlreichen älteren Wandarbeiten auf dem Campus aufzufinden ist. Während dort die Taube als Metapher verstanden wird, wird sie nun in ihrer konkreten Funktion Gegenstand der Betrachtung. top
Das Gelände der BTU stellt inszenierter Lebens- und Arbeitsraum von Studenten und Bediensteten dar. Das Microchip-Raster der Wegeführung und Gebäudeaufteilung spricht von sinnvoller Ordnung und Zweckgebundenheit. Der Gartenbereich bietet in dieser Landschaft Entspannung und auch den Fachbereichen Gelegenheit zur individuellen Gestaltung. Natur als Gegenstück, aber auch Gegenstand der Technik soll hier verstärkt erfahrbar gemacht werden. Den Pflanzen die Tiere hinzuzufügen ist dabei ein Gedanke. Während die Bäume die Verwurzelung in der Erde betonen, verbinden die Vögel mit dem Himmel. Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, die Menschenbewegungen zu beobachten und in eine virtuelle Landschaft umzusetzten. Jedoch ist die Umgebung des Geländes so bestimmend, dass die Bewegungen nur als Reaktion auf Gebäude oder angelegte Attraktoren (Bänke) zu sehen wären. Die Tauben zu beobachten, bringt den Besuchern den Blick auf soziale Gruppenstrukturen, wobei Schwarmverhalten und Populationsverhalten ein in der Informatik hochaktuelles Thema aufgreifen (Bezug Microchip) und Ausgangspunkt für eine Problemstellung einer Zusammenarbeit sein könnte. So könnte aus den Spuren durch lernfähige Algorithmen eine Architektur erarbeitet werden, die das territoriale Verhalten der Vögel in Raumkonstrukte umsetzt. Diese Raumordnungssysteme könnten Anlass zu weiteren Planungen auf dem Campusgelände werden. (Die Software zur Verfolgung der Flugbahnen existiert bereits wie auch die Implementierung als graphische Oberfläche. Es wäre wünschenswert, eine Weiterarbeit an der Software im oben beschriebenen Sinne mit der BTU FB Mathematik oder Informatik vorzunehmen.)