doves

16.10.1999

Überflug – Kunst am Bau Projekt für den Campus der BTU Cottbus

Doves from resoutionable on Vimeo.


Installation | video & images | Integration ins Gelände

Aufgrund eines anonymen, bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs wurde „Überflug“ und eine Klanginstallation von Rolf Julius zur Realisierung auf dem Campus der Brandenburgischen Universität Cottbus vorgeschlagen.

Das Kunstwerk

Für die Fachbereichsgärten auf dem Campus, links der Hauptachse, sollen Taubenschläge installiert werden. In der Mitte dieser Taubenschläge soll ein virtueller Brunnen angelegt werden, in welchem statt Wasser ein Video zu sehen ist. Dieser Brunnen ist räumliches und gedankliches Zentrum der Arbeit. In ihm werden die Flugbahnen der Tauben über längere Zeitabstände erfasst und sichtbar gemacht. Die Struktur dieser Bewegungsbahnen soll ein modellhaftes Bild des Zusammenlebens der Tiere aufzeigen und bietet Gelegenheit, unser Verhalten mit ihnen zu vergleichen.

Der Schlag

In Absprache mit einem im Cottbus ansässigen Taubenzüchterverband entwarf ich einen zweistöckigen Turm, der zur Brieftaubenzucht geeignet ist. Die Anwesenheit der Taubenzüchter soll universitäres Leben und Forschen mit den Erfahrungen volksnaher Traditionen verbinden. Im Gegensatz zur Stadttaube sind Zuchttauben hoch zivilisiert. Das ganze Bestreben des Züchters gilt der Gesundheit und Fitness seiner Tauben, mit dem Ziel, gute Flugergebnisse zu erreichen. Um die Tauben zu einer schnellen Heimkehr anzuregen, werden sie – jungvermählt- voneinander getrennt (Witwerschlag). Der Antrieb, schnell zum Weibchen zurückzukehren, lässt Tauben nicht nur tausende von Kilometern zielsicher fliegen, sondern führt mitunter zu lebensbedrohenden Erschöpfungszuständen. Der Umgang der Taubenzüchter mit diesen Eigenschaften spricht von langen Erfahrungen und kontrastiert das abstrakte Denken der Naturwissenschaften.Um Einblick in die Dynamik des Taubenschlags zu geben, sind diese zweiseitig verglast. Darüber hinaus sollen die Zucht- und Flugergebnisse der Tauben bei Wettflügen an einem schwarzen Brett öffentlich gemacht werden. Auf einer Landkarte seien die Flugbahnen der Wettflüge dargestellt.

Erster Entwurf für den Taubenschlag:

Inneneinrichtung des Schlags:

Der Brunnen

Der Brunnen besteht in einem recheckigen, aus Ziegelsteinen gemauerten Schacht, der ungefähr 4m tief im Erdreich versenkt ist. Dadurch ergibt sich die für eine Video- projektion notwendige Dunkelheit. Das Video zeigt den Himmel über den Taubenschlägen, wie er von einer vor Ort installierten, in den Himmel zeigenden Kamera aufgezeichnet wird. Es ist ein virtueller Wasserspiegel, also scheinbare Spiegelung des Himmels auf einer Wasseroberfläche.

Vorzeichnung:

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Video

Eine spezielle Computer-Software (bereits vorhanden) rechnet aus dem Bild die Positionen der Tauben und schreibt ihre Bahnen in Echtzeit ins Videobild ein. Über den Tag entsteht aus den Spuren der Tauben eine Linienzeichnung, die mit ihrer (chaotischen) Struktur die umgebende Architektur nach ihrer Ordnung (rechtwinklig) auf ihre Verträglichkeit mit der Geometrie der natürlichen Bewegung der Vögel hinterfragt. Die Vögel, die nicht durch Wege, Bänke oder Gebäude in Ihren Bewegungsrichtungen festgelegt werden, verweisen hier auf eine Freiheit jenseits der auf dem Gelände vorgegebenen Strukturen. Die Arbeit soll gleichzeitig uns anregen, unsere Planungen und Ordnungssysteme zu hinterfragen und – je nach Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Hochschule – ein Modell für Raumordnung aus durch die Beobachtung gewonnenen Daten vorschlagen. Was sich über den Taubenschlägen abspielt, berichtet nicht nur von zufälligen Flugbahnen, sondern auch von Schwarmverhalten und der Gruppendynamik der Taubenschläge. Bemerkenswert sei hier der Vergleich zwischen der fast mysteriösen Ordnung von Vogelschwärmen und den häufigen Kollisionen von Menschen in massenhaften Ansammlungen. Letztlich greift die Arbeit mit der Taube ein Symbol auf (Friedenstaube), das in zahlreichen älteren Wandarbeiten auf dem Campus aufzufinden ist. Während dort die Taube als Metapher verstanden wird, wird sie nun in ihrer konkreten Funktion Gegenstand der Betrachtung.
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„doves“, generative video


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Integration ins Gelände

Das Gelände der BTU stellt inszenierter Lebens- und Arbeitsraum von Studenten und Bediensteten dar. Das Microchip-Raster der Wegeführung und Gebäudeaufteilung spricht von sinnvoller Ordnung und Zweckgebundenheit. Der Gartenbereich bietet in dieser Landschaft Entspannung und auch den Fachbereichen Gelegenheit zur individuellen Gestaltung. Natur als Gegenstück, aber auch Gegenstand der Technik soll hier verstärkt erfahrbar gemacht werden. Den Pflanzen die Tiere hinzuzufügen ist dabei ein Gedanke. Während die Bäume die Verwurzelung in der Erde betonen, verbinden die Vögel mit dem Himmel. Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, die Menschenbewegungen zu beobachten und in eine virtuelle Landschaft umzusetzten. Jedoch ist die Umgebung des Geländes so bestimmend, dass die Bewegungen nur als Reaktion auf Gebäude oder angelegte Attraktoren (Bänke) zu sehen wären. Die Tauben zu beobachten, bringt den Besuchern den Blick auf soziale Gruppenstrukturen, wobei Schwarmverhalten und Populationsverhalten ein in der Informatik hochaktuelles Thema aufgreifen (Bezug Microchip) und Ausgangspunkt für eine Problemstellung einer Zusammenarbeit sein könnte. So könnte aus den Spuren durch lernfähige Algorithmen eine Architektur erarbeitet werden, die das territoriale Verhalten der Vögel in Raumkonstrukte umsetzt. Diese Raumordnungssysteme könnten Anlass zu weiteren Planungen auf dem Campusgelände werden. (Die Software zur Verfolgung der Flugbahnen existiert bereits wie auch die Implementierung als graphische Oberfläche. Es wäre wünschenswert, eine Weiterarbeit an der Software im oben beschriebenen Sinne mit der BTU FB Mathematik oder Informatik vorzunehmen.)

inoutSite II

27.02.1999

Schematische Raumanordnung

Inoutsite I und II zeigen die Statistik der Raumnutzung.

Nach 1989 entstand aus früheren skulpturalen Arbeiten eine Serie von Zeichnungen geometrischer Muster, die als mathematische Beschreibungen des Raumes zu verstehen sind. Der Raum wurde in seinen proportionalen Rhythmen von endlichen und unendlichen Dimensionen und Rekursionen dekliniert. Die entstandenen Musterzeichnungen sind ein Formenkanon, der als Grundlage für eine großräumige Stadtplanung gedacht ist: Die Polymorphie der Muster ermöglicht es, einzelne Elemente in bereits vorhandene Proportionen einzufügen und aus dem bereits vorhandenen „Alten“ eine berechnete Beschreibung des „Neuen“ zu generieren. Das Ergebnis dieser Berechnungen war ein Set geometrischer Grundformen mit Fernwirkung, das die Grundlage für die erste interaktive Installation „trace pattern“ bildet. In dieser Installation werden Muster automatisch berechnet und mit der Bewegung von Menschen, die sich in einem bestimmten Raum bewegen, verknüpft, wobei die daraus resultierenden Proportionen untersucht werden können
Für „inoutsite“ (siehe auch http://www.inoutsite.de) wurde eine Tracking-Software speziell für die Überwachung von öffentlichen Räumen entwickelt (Programmautoren: Thomas Kulessa und Matthias Weber). Diese Erfahrung mit der maschinellen Verarbeitung von Bewegungsspuren führte zu einer allmählichen Verlagerung des Arbeitsschwerpunktes – von der Konstruktion von Beschreibungsmodellen hin zur Beobachtung von Bewegungen. In der Installation des „inoutsite“-Projekts wurde die Häufigkeit der Besuche des überwachten Ortes analysiert und in Bild und Ton umgesetzt, die daraus resultierenden virtuellen dreidimensionalen Formen können als erste virtuelle Architektur betrachtet werden.

Ausstellung auf den Kanarischen Inseln 2007
Videoausspielung 1990

Die roten Pfeile zeigen in die Richtung des Gehens, die Linien sind die Spuren der Menschen im Raum. Die Höhe des Netzes, das wie ein virtuelles Dach über der Beobachtungsfläche schwebt, zeigt die Häufigkeit, mit welcher ein Ort begangen wird.Umso mehr Leute an einem Ort stehen, umso tiefer sinkt das Netz. Die Wolke in der Mitte zeigt dieselbe Information wie das Netz, differenziert nach Intensitätsgraden. Klänge fungieren als „Monitor“ der Besucherbewegung: tiefe Töne stehen für Randpositionen, hohe Töne für die Mitte des Raumes.

Sculpting the clouds (a Text by Katja Davar)

Ursula Damm navigates spaces. As long as I have known her this has been her main occupation in
one form or another. I recall her gait at the Art Academy in Düsseldorf that I watched from a
distance and even then it struck me that the person coming towards me was somehow navigating
the space of that long, endless corridor in a different and definitely less earth-bound way than
many. Looking at her artwork over the past years, the spatial aspect has always dominated in
some form and her ability to turn what could almost be termed a scientific research project into
something visually exciting is for me the core of the work. Assuming that Ursula Damm could
just as easily have found her way into pure science, the respect that her work commands is one
quite different to the subjectivity often associated with an artistic production. From her sculptural
roots that moved into a virtual space, to dynamic architectural arenas and the visualisation of
human movement – if one were to analyse the movement through the work as one that is physical,
perhaps one could say that the camera perspective (angle) has constantly increased until, as in the
most recent works, one has a bird’s eye view of her production. Ursula Damm’s interest in the
interior and exterior, i.e. programming and interface, or re/search and re/sult, or even local and
global leads me to believe that she is in a strange way attempting to leave a particular state of
being in order to discover another. Could this be the age-old desire to fly? To view the world at
an angle known only to birds and the wind? Increasingly the works have a real oddness about
them, they defy categorisation, which naturally makes them troublesome, as the viewer has to
weave an individual vocabulary in order to assess them.
Ursula Damm embraces a multi-tiered approach not only through the utilisation of images formed
partly through technology, but also through the usage of waste-products – possibly the stuff from
which science is made – and lastly her passion for the interactive about which we have argued
many a time!
The complex reflection on an analogy between space, time, the human and flight all find expression
in the work of Ursula Damm, perhaps the question is not when will the clouds be sculpted
but from whom.


Katja Davar

spiegeln & drehen

27.02.1996

Spielgeln & Drehen, Installation im Ludwig Forum in Aachen 1996

Ausstellung im Ludwig Museum Aachen


Stadtplan von Köln, auf Rollen montiert, Bump&Go-Cars, Asphalt, Musterzeichung auf der Wand

Dias mit Musterzeichnungen über Luftfotos, in Betontrichter montiert.

Spiegeln und Drehen (7/5/4)

Kartonmontage, Bleistiftzeichnung auf dem Boden, Spiegel

Bazon Brock in „Die Welt zu Deinen Füßen“

View into the mirror of the Installation 7/4
Spiegeln und Drehen